So schön Berlin auch ist, und das ist es jetzt ganz besonders, irgendwann muss man mal raus. Und für mich hieß es auf zu einem Kurzurlaub ins Land von IKEA, ABBA, Saab, Volvo und Absolut Vodka, das schöne Schweden.
Dank Ryanair kam ich von Schönefeld für 10,02 Euro nach Stockholm und wieder zurück. Der Geldbeutel wurde also nicht im geringsten belastet, das CO2-Gewissen dagegen umso mehr. Und Schönefeld liegt ja jetzt in Tarifgebiet C, wie die alten BVG-Füchse entschieden haben.
Dank nur Handgepäck und Online-Check-in latscht man heutzutage also einfach aufs Flughafengate wie auf den Bahnsteig. Der Ryanair-Flieger stank erbärmlich, als ich einstieg, ich weiß nicht, ob das die Luftanlage ist, die vielleicht aus alten Interflug-Maschinen übernommen wurde, oder ob einfach die schlimmen Vollsynthetik-Uniformen der Stewards und Stewardessen dem Stressschweiß nix mehr entgegenzusetzen hatten und einfach vor sich hingammelten.
Denn die armen Herrschaften haben wirklich Stress. Nachdem also das Flugvieh in die Sitzreihengatter getrieben wurde, rollt der Jet schon los und die Choreographie der Sicherheitshinweise geht los. Auf Englisch, Deutsch und Schwedisch. Danach das Verteilen der Bordprospekte. Man kann ja alles da im Flugzeug kaufen, was nicht an Bord ist, wird geliefert. Duschwannen, Plastikvögel für in den Garten, die anfangen zu zwitschern, wenn die Blumenerde zu trocken wird (immer gut für die Nachbarn, wenn man mal 14 Tage ohne zu gießen in Urlaub fährt), wärmende Manschetten aus Merinowolle für die Arthritis gequälten Gelenke, kurzum: alles, was man eben so auf einer Butterfahrt bekommt. Wenn der Prospekt verteilt und das Flugzeug in der Luft ist, geht’s weiter. Getränke verkloppen, Snacks verkloppen. Danach Parfum und Zigaretten und Zeug verkloppen. Dann die Durchsage vom Band vom Ryanair-Chef in extraschrägem Irisch: Jetzt kommt was Tolles, jetzt könnt ihr gewinnen. Man stelle sich das mal in Deutschland vor, eine sächsische Airline sächselt wunderbar über die Lautsprecher, dass man nach der Fettbemme für 3,50 Euro jetzt ein Los kaufen kann. Das muss ja der arme Steward Flugbegleiter auch wieder verkloppen.
Mittlerweile ist die Luft an Bord von der Qualität eines Jugendherbergs-Schlafsaal und ich liebäugele mit ner 3,50 Euro-Cola. Nein, der kriegt nix von mir, der irische Bonze. Lieber dürsten. Und aufs Klo gehen, so lange es nix kostet, das soll sich ja auch bald ändern. Schließlich hat er ja schon allein für den Hinflug 5,01 Euro inklusive Steuern, Kerosin, Flughafengebühr undsoweiter bekommen. Das muss reichen. Dafür sind die Sitzreihen so eng, dass ich die Durchsagen nur schwer verstehe, da meine Knie die Ohren zuhalten.
Ein Glück dauert der Flug nur etwas länger als eine Stunde und schon ist man in Stockholm-Skavsta, ein Flughafen, der noch mal 80 Minuten mit dem Bus von Stockholm weg ist. Flughafen ist gut, zwei Baracken und eine Landebahn, auf der das Flugzeug nach der Landund eine astreine Drei-Phasen-Wendung hinlegt. Da wäre sogar mein fettleibiger Fahrlehrer beeindruckt gewesen. Schnell scheuchen uns die in Polyamid gekleideten Viehtreiber aus der stinkenden Maschine, der Himmel ist blau, die Luft ist warm und die Bäume sind noch nicht grün. Ich begreife: hier ist alles etwas langsamer.
Im Bus nach Stockholm ist die Luft gut und die Sitze geräumig. Aber eigentlich auch verständlich, denn die Busfahrt kostet fast so viel wie der Flug. Ich freue mich auf den Rückflug, ob die Chef-Stewardess diesmal wieder Katarzyna heißt?
Heute Abend ist es also wieder soweit: Deutschland sucht den Superstar oder einfach nur DSDS.
Ich habe mir ja schon nach der zweiten Staffel geschworen, nie wieder reinzuschauen, ist das Format doch relativ langweilig, die Moderatoren extrem öde und die Sprüche von Dieter Bohlen nicht halb so unterhaltsam, wie uns die Medienlandschaft rund um RTL, Springer und Co und das weismachen wollen.
Aber nein, wieder hat es mich. Vielleicht bin ich ja so ein einfach gestricktes Persönchen. Aber diesmal ist ja auch jemand dabei, der echt was kann, Daniel Schuhmacher.
Doch darum geht es ja gar nicht. RTL will ja wieder “Typen”, wie sie es nennen. Eigentlich wollen sie vielmehr Klischees. Da ist also Daniel, der schüchterne Supersänger, Benny, die pfälzische Trümmertunte, verklemmt wird er immer als “Paradiesvogel” bezeichnet, ein furchtbar unehrliches Wort für einen offen lebenden und mit seiner tuntigen Art kein Problem habenden Schwulen.
Dann gibt es den kleinen, süßen, lockenbekopften und absolut nichtskönnenden Jungen aus Kappel-Grafenhausen, dessen Name mir nicht mal einfällt, der aber wohl die ganze Schiete gewinnen wird. Mädchenschwarm halt, und Mädchen haben vom Papa die Prepaid-Karte aufgefüllt bekommen und stimmen für ihn, bis sie leer ist.
Und es gibt sie, das blonde Gift aus Dessau, Annemarie Eilfeld. Eigentlich ein armes Mädchen, das überhaupt nicht so richtig rafft, dass man sie in eine Rolle gedrängt hat, die wohl auch etwas zu ihrem Naturell passt, aber nicht wirklich ihr entspricht. Doch die RTL-Redakteure sagen ihr sicher, dass das genau der richtige Weg ist, um nach oben zu kommen. Das denkt AnMie, wie sie ihre Fans nennen, sicher auch und übersteht, das müssen ihr wohl auch ihre größten Neider lassen, die Pfiffe, Buh-Rufe und Anfeindungen des eifersüchtigen Bohlen (schließlich ist sie öfter in der Bild-Zeitung als er) mit geradezu stoischer Gelassenheit.
Doch was ist denn, wenn sie heute rausfliegt? Bricht dann nicht das Ganze über ihr zusammen? Die Hassbriefe sind sicher zu ertragen, solange man noch im Spiel ist, aber wenn man rausgeflogen ist und so interessant wie die Bild-Zeitung von gestern? Hoffentlich ist sie stark genug, um die über ihr zusammenschlagenden Wellen dann auch noch zu verkraften.
Doch vielleicht geht es ja heute noch mal für sie weiter. Zu gönnen wäre es ihr, denn sie ist wohl wirklich das beste Mädchen noch im Wettbewerb.
Und nächstes Mal guck ich kein DSDS mehr. Wer hat eigentlich die anderen Staffeln gewonnen? Und wie viele gab es? Und was ist aus denen geworden? Ich erinnere mich noch an eine burschikose (Paradiesvogel?) Bayerin mit Brille, das halbe Hemd Klaws, den Rocker mit dem Mund, der ihm erlaubte, Spargel quer zu essen, der Paradiesvogel aus Hessen, der jetzt irgendwo in Berlin wohnt, wenn er nicht gerade im Krankenhaus liegt, und jetzt wird es schon eng… Wer fehlt denn noch? Welcher Superstar ist noch vor der Karriere wieder in der Versenkung verschwunden? Und warum denken die Kandidaten eigentlich alle, dass nach der Sendung ihre Karriere beginnt, obwohl sie dann vorbei ist?
Längst hat er das Brandenburger Tor abgelöst, wenn es um die Darstellung von Berlin geht. Vor allem die jungen Touristen wollen lieber an den Alexanderplatz und die sozialistische Höhendominante sehen als das zugegebenermaßen etwas kleine Tor am Pariser Platz.
Und wem gehört der Fernsehturm? Eigentlich ganz einfach, wenn man sich mal an die Fußball-WM zurückerinnert, als er zu einem gigantischen Fußball umgestylt wurde. Denn die Flecken waren nicht schwarz, wie beim Durchschnittsfußball, sondern rosa. Nein, auch nicht rosa, denn die Farbe heißt ja Magenta und sie gehört der Ta-da-da-di-da-Telekom.
Derzeit ist die Telekom aber eher in rosarot als in magenta, wenn man sich die Werbung anschaut. Überall Rosenblüten und verliebte Paare. Und nun hat sie auch ihren größten Werbeträger wieder aktiviert, und ich meine weder Manfred Krug noch Robert T. Online. Der Berliner Fernsehturm kriegt nämlich sozusagen eine Strumpfhose über den Sockel gezogen (bei der Form dieses Turms könnte man auch von einem Kondom sprechen), die mit Liebessprüchen bedruckt ist. Sieht süß aus, hat aber einen komischen Beigeschmack, denn gerade bei Romantik ist die Grenze zum Kitsch schnell überschritten. Was die Telekom so wunderbar in ihrer Fernsehwerbung noch hinbekommen hat, wirkt am Fernsehturm billig. Außerdem ist es schwer zu lesen und die ersten Passanten sollen am Alexanderplatz auch schon aufeinandergeknallt sein, weil sie wie Wilhelm Buschs Hans-Guck-In-Die-Luft nicht mehr sahen, wer vor ihnen lief.
Noch ziehen Industriekletterer das Riesenkondom über den Fernsehturm, das Ganze soll aber bald fertig sein.
Toll, was heutzutage alles gibt. Früher mussten die Kinder noch Leichtathletik machen oder im Sportverein Völkerball spielen, heute gibt es ja Wellness und die Werbung oder wahlweise gute Bekannte machen uns weis, dass mit dieser neuen Bewegungsform sofort eine gute Figur bekommt und das richtig was bringt.
Unsereins, also eigentlich ich, strampel mich seit Jahren im Fitnessstudio und auf dem Fahrrad und beim Joggen ab, allerdings sehen die guten Bekannten oder die Typen in der Werbung immer noch ne ganze Spur besser aus. Und mit dem neuen Programm fühlt man sich wie neugeboren. Und kann Spagat und was weiß ich.
Also kriegt man quasi schon ein schlechtes Gewissen aufgedrückt, wenn man nicht auf den Zug der neuen Trendsportart aufspringt. So ging es mir mit Pilates. Und Barbara Becker macht ja auch Pilates. Und die sieht mal straff aus. Also muss das ja was bringen. Nur in meinem Fitnessstudio will ich das gar nicht machen, da gehen immer nur komische Mädchen mit Pferdeschwänzen in den Pilates-Saal. Außerdem ist der komplett verglast und die ganzen Pumper stehen draußen und die Bewegungen sehen ja echt mal besch… aus.
Also hab ich es bislang einfach sein lassen und habe selbst die Pilates-Leute von draußen in ihrem Glaskasten belächelt.
Bis heute. Denn ich arbeite ja in einem modernen Internet-Unternehmen und die machen alles, damit sich die Mitarbeiter wohl fühlen. Zum Beispiel bieten sie im firmeneigenen Fitnessraum Kurse an. So wie Pilates. Und da sind keine Pumper, die glotzen und man kann das ja mal probieren.
Gesagt, getan, heute rein. Außer mir noch ein paar höchst übergewichtige Entwickler, die bislang als einzige Sportart “Wii” gemacht haben, eine Praktikantin und noch ein paar Menschen, die ich noch nie gesehen habe.
Dann kam also die Pilates-Madame. Im schnuckeligen Schlafanzug mit warmen Wollsöckchen begrüßte sie uns. Ich habe natürlich vorher schon getönt “Boah, voll anstrengend, das geht sicher ab” und den Dicken und Unfitten richtig Angst gemacht. Und die Pilates-Madame war auch sehr dünn und straff, jedenfalls hing das Schlafanzüglein an ihren knochigen Beinen wie die Flagge auf dem Berliner Rathaus bei Flaute.
Puh, aber die kann sicher was. Wir legen uns auf den Rücken, strecken die Arme hoch und atmen. Madame sagt immer. “Laaaaaangsam.” Langsam? Schon am Anfang? Ein Bein hoch, wieder runter. “Laaaaaangsam.” Das andere Bein hoch, runter. So ging es weiter. Eine Stunde lang. Laaaaaangweilig. Es war so anstrengend wie mit meiner Oma im Rollator spazieren gehen. Selbst die dicken Entwickler schliefen fast ein.
Hätte mein Nebenmann nicht einmal beim “Und jetzt laaaaaangsam beide Beine hochnehmen” deftigst einen fahren lassen, wäre ich eingeschlafen. So hatte meine erste und letzte Pilates-Stunde aber einen – sagen wir mal aromatischen – Höhepunkt.
Mein Tipp: Finger weg von allen Sportarten, die Ex-Frauen von Ex-Sportlern betreiben. Das kann nix sein. Gefährlich wird es, wenn man vor Langeweile fast stirbt, nicht immer ist ein netter Kollege mit Blähungen da, um einen zu retten.
Ha, als wär das für Berliner was Neues. Wurde Zeit, dass das auch mal wieder im Ausland gesehen wird. Und nun hat das englische DJ-Magazin mit dem einfallsreichen Namen “DJ Mag” es noch mal amtlich gemacht: Das Berghain ist der beste Techno-Club der ganzen weiten Welt! Und die Briten haben es damit sogar vor den eigenen Club “Fabric” in London gesetzt. Das kann schon was heißen, schließlich sind die anglo-germanischen Beziehungen ja traditionell nicht die besten…
Tja, und die frohe Kunde kann man jetzt überall lesen, auch die Zeitungen berichten darüber und schreiben auch immer brav dazu, dass die Einlasspolitik im Berghain so schlimm wäre und man Glück haben müsste, um rein zu kommen. Das ist ja schnick-schnack, wenn man nicht aussieht wie der Vollhonk und halbwegs dazu passt, kommt man doch immer rein. Wenn man da unsicher ist, sollte man nicht zur Rush-Hour um halb Zwei hingehen, da muss man ja eh immer nur ewig anstehen. Dann lieber etwas später oder halt davor nen Stempel holen und sich noch woanders vergnügen. Wobei das da in der Gegend eher schwierig ist, wenn nicht gerade in der Kantine direkt daneben ne Party ist.
Der Vollständigkeit halber bleibt noch zu erwähnen, dass außer dem Berghain noch mehr Berliner Klubs in der Liste des englischen Blättchens auftauchten: Auf Platz acht das Watergate, auf Platz 63 der Club der Visionäre und auf 70 die Bar 25. Wobei letztere ja noch etwas Probleme mit dem Erhalt hat, die haben ja einige Räumungsklagen am Hals…
Ich wette, dass bei der nächsten Auflistung noch das Rechenzentrum im Funkpark dazu kommt.
Und jetzt sollte der Weltmeistertitel gehörig gefeiert werden, am besten im Berghain.
Berlin hatte schon immer eine Sonderstellung. Als West-Berliner Insel umgeben vom Staatsgebiet der DDR und geteilt durch eine Mauer, als jüngste der europäischen Großstädte oder als Stadt, die schon immer eine Zuwanderungsstadt war (heute berichtete die Zeitung, dass Berlin weiter wächst, allerdings nicht, weil mehr Kinder geboren werden, sondern weil der Zuzug ungebremst bleibt).
Etwas ganz Besonderes war es allerdings auch immer im Lehrplan der Schulen, wenn man diesen mit dem Lehrplan der anderen Bundesländer vergleicht. Noch bevor das Grundgesetz 1949 in Kraft trat, legte der Berliner Magistrat 1948 fest, dass der Religionsunterricht freiwillig ist. Alle Kinder haben das Pflichtfach Ethik, wer auch noch Religion will, oder wessen Elternhaus das gerne sieht, der kann Religion als Wahlfach dazunehmen.
Soweit, so außerordentlich gut, sollte man meinen. Denn Berlin lebt ja – wie bereits erwähnt – davon, dass unglaublich viele Menschen neu in die Stadt ziehen. Kreuzberg ist bundesweit ein Synonym für unterschiedlichste Lebensweisen und jeder, der mal dort war, weiß, dass Punks neben gläubigen Muslimen, orthodoxen, koptischen, evangelischen und katholischen Christen sowie Juden, Buddhisten und was es auf der Welt noch so alles gibt, leben. Was wäre also gerade in dieser Zeit naheliegender, als den Kindern all dieser Religionen eine gemeinsame Ethik in der Schule auf den Weg zu geben, statt sie schon im Kindesalter zu trennen und ihnen erstmal beizubringen, was sie alles trennt statt was sie alles verbindet? Ha, wäre doch unsinnig, oder?
Leider sind da die Kirchen anderer Ansicht. Jedenfalls die meisten und vor allem die großen christlichen. Es gibt nämlich jetzt den Verein ProReli, der den verpflichtenden gemeinsamen Ethikunterricht abschaffen möchte. Für mich hört sich das an wie eine Aktion aus den Sechzigerjahren. Aber nein, jetzt und hier in Berlin im 21. Jahrhundert. Also flux jede Menge Unterschriften gesammelt und nun gibt es einen Volksentscheid. Überall Plakate der ProReli, die von “Freiheit” sprechen. Aber diese Freiheit ist doch schon da, man kann doch jederzeit Religion haben, wenn man will! Nein, das geht denen nicht weit genug und ein wenig drängt sich mir die Vermutung auf, dass es einfach um die Bedeutung geht und die religiösen Eiferer Vertreter nicht länger damit leben können, dass Religion “nur” ein Wahlfach ist. Die Kirchen haben noch nie gerne die Macht aus der Hand gegeben.
Doch ein Glück sind auch die Vernünftigen aufgewacht und gründeten einen Verein, der jetzt ProEthik heißt. Und die haben auch Plakate.
Und jetzt hängen in vielen Straßen von Berlin viele Plakate der ProRelis, die für die “Freiheit” plädieren:

- ProReli will “Freiheit”
Und häufig direkt daneben Plakate der ProEthiks, um die Leute auch zum Abstimmen zu bewegen, die keine Änderung wollen, denn die müssen auch gehen:

- ProEthik will Gemeinschaft
Eigentlich hatte ich mich innerlich schon darauf eingestellt, dass es immer so bleiben würde. Und dass ich auch einfach das ganze Jahr 2009, is ja eh ein Krisenjahr, wie man überall gesagt bekommt, zu Hause in der Wohnung zu verbringen und mich arm zu heizen. Die Bäume waren weiterhin nur kahle Striche in einer Mischung zwischen grau und braun und die Straßen sahen so kalt, nass und hässlich aus, dass ich lieber daheim sein wollte und im Internet surfen.
Da ist ja das Wetter immer gut.
Aber plötzlich fing es an. Zuerst hörte nur der Regen auf, dann hat mein Lieblingsbaum im Hinterhof – eine japanische Winterkirsche – vor meinem Balkon angefangen. Kleine grüne Punkte waren auf den Zweigen zu sehen. Und dann ging es ganz schnell. Zack, waren es am letzten Donnerstag 20 Grad hier in Berlin. Zack, waren die Straßen voller Menschen, die – o Wunder – ein Lächeln auf dem Gesicht trugen.
Das scheint mir auch nirgendwo so extrem zu sein wie in Berlin: Gib ihnen Sonne und wenn du sie nach dem Weg fragst, würden sie dich am liebsten hinfahren. Nimm ihnen die Sonne und du kannst froh sein, dass dich die Antwort, wenn du überhaupt eine bekommst, nicht in genau die Falsche Richtung schickt.
Und jetzt ist sie da, die gelbe Sau, und lässt Berlin zur schönsten Stadt mit den nettesten Einwohnern werden. Alle Freunde laden zu Balkonpartys ein, die erste am DonnersFreitag war wunderbar und bei einem Italiener, der bereits den Sommer eingeläutet hat.
Allerdings gehört dazu auch jede Menge Arbeit, zum Frühlingsanfang. Der Balkon war über den Winter einfach zur Müllhalde verkommen und die Balkonmöbel waren zum Überwintern im Keller.
Jetzt ist das geschafft und ich habe mich sogar dazu gebracht, das Fahrrad zu putzen und die Kette zu entfetten. Die letzten Sonnenstrahlen trocknen jetzt die Kette und bis alles trocken ist, schreibe ich diesen Frühjahrseintrag. Nur frage ich mich, wie ich je wieder den Ölschmierdreck unter den Fingernägeln wegkriegen soll, hat jemand vielleicht nen Tipp?

















