Berlin ist eine Stadt der digitalen Bohème. Überall sieht man Menschen mit Laptops oder iPhones in den Straßencafés, und alle müssen irgendwie ins Internet. Man will twittern, den Facebook-Status aktualisieren, mit Freunden chatten, Geschäfts-E-Mails abfragen. Daraus entwickelte sich auch eine neue Form der Geschäftsausrichtung einiger Cafés und Restaurants: Wo früher auf den Tafeln mit frischen Waffeln, Frühstück bis abends oder den Cocktails des Tages geworben wurde, steht immer häufiger: “Kostenloses WLAN“.
Und das funktioniert. Jeder, der mal eine DSL-Störung gehabt hat, leichtsinnigerweise den DSL-Provider gewechselt hat oder einfach umgezogen ist, musste schon erleben, wie es ist, wenn man plötzlich ohne Zugang zum Internet dasteht. Als ich umgezogen bin, war es besonders schlimm. Wochenlang kein Internet, man kann nicht mal schnell bei der BVG schauen, wann die Tram kommt. Ich fühlte mich abgeschnitten von der Welt, einsam. So muss sich Robinson Crusoe gefühlt haben, bevor Freitag kam.
Doch glaubt man der Senatsverwaltung für Wirtschaft und Technologie, könnten solche Horrorszenarien bald der Vergangenheit angehören, denn man plant eifrig das Internet über Funk in ganz Berlin. Vernetzung für alle! Und noch dazu kostenlos. Es wurden sogar schon Proben durchgeführt. Zuerst wurde geschaut, ob das neue Netz Ampelanlagen beeinflusst(?). Naja, tat es wie vermutet nicht. Ich hoffe, dass jetzt nicht noch geschaut wird, ob das Funknetz die Kanalisation stören könnte…
Ganz andere Probleme könnte es aber in rechtlicher Hinsicht geben. Öffentliches Netz, in das jeder darf, davon träumt doch jeder Hacker und notorischer File-Downloader. Hier wird geplant, ein persönliches Login festzulegen, damit verfolgt werden kann, wer wann auf das Netz zugegriffen hat. Eine endgültige Lösung kann dies allein aber auch nicht sein, denn wenn der Nutzer trotz Login nicht ermittelt werden kann, trägt der Provider die Haftung. Und das kann bei einmal Harry Potter Teil 6 laden ganz schnell in die Millionen gehen.
Aber die Stadtverwaltung will diese Fragen lösen, denn sie will das öffentliche WLAN. Berlin sei ein Ort, wo Junge und Kreative lebten und solche Angebote könnten Anreize sein, junge Unternehmen nach Berlin zu holen.
Für die Cafés mit kostenlosem WLAN wäre es aber erstmal schädlich, denn das WLAN hat man dann nicht nur im Café beim Kaffee, sondern auch nebenan im Park, ganz umsonst.
Ich denke, wenn Berlin das schafft, ein echtes offenes und kostenloses WLAN anzubieten, ist man einen Schritt weiter auf dem weg zur modernen Weltstadt.
So, nachdem ich ja genug geschrieben habe, was man im Sommer in Berlin ja alles unternehmen kann, hab ich das auch mal ausgiebig getan und der Blog hatte etwas Pause.
Zurück vom Urlaub und voller frischer Eindrücke geht’s jetzt mit neuem Elan weiter. Wobei ich ja gestehen muss, dass ich Berlin sogar mal verlassen habe, um mir eine andere Stadt anzusehen. Es war die Blüte Hollands, Amsterdam, bekannt durch malerische Grachten, Kiffe und Nutten.
Das waren jedenfalls meine ersten Gedanken dazu, und ich muss sagen, sie wurden keinesfalls enttäuscht. Außer dass man noch “klapprige Fahrräder” zu der Aufzählung hinzufügen kann.
Am ersten Tag nach dem Flug mit der dollen Fluglinie Transavia.com, die ja einige Wochen lang vor jeder Nachrichtensendung von Radio 1 Werbung gemacht hatte, ging es gleich in die Vollen. Der Flughafen von Amsterdam, Schiphol (bitte nicht fragen, wie man das ausspricht…), liegt auf dem Grunde eines ehemaligen Sees, also einige Meter unter dem Meeresspiegel. Letzteres ist aber gar nicht so besonders da.
Und gleich zum Fahrradverleih, um sich typisch für Amsterdam mit einem Fiets einzudecken. Dort musste ich feststellen, dass es drei verschiedene Arten von Fahrrädern gibt: Klapprig mit Rücktritt, Klapprig mit Bremse und Klapprig mit nicht funktionierender Gangschaltung. Tja, der Holländer ist echt unprätentiös mit seinen Fahrrädern, geklaut werden die Dinger, die bei uns höchstens am S-Bahnhof Warschauer Straße von der Brücke hängen, trotzdem wie wild. Also ein Schloss dazu bekommen, das dem ersten Augenschein nach achtmal so viel wert war wie das quietschende Fahrrad.
Und dann auf ins Getümmel. Die Stadt ist unglaublich. Erster Eindruck: Vor allem unglaublich klein. Tatsächlich leben da wohl knapp nur ne dreiviertel Million Menschen. Aber es gibt alles. Vor allem Coffee-Shops, in denen jetzt lustigerweise Rauchverbot herrscht. So ganz verstehe ich die Holländer echt nicht. Die Stadt riecht also zumindest in der Altstadt unglaublich nach Kiffe. Die Nase ist also bedient. Die Ohren haben es hier echt gut, denn die häufig sehr schmalen Straßen an den Kanälen entlang lassen keinen großen Autoverkehr zu. Dafür gibt es jede Menge Fietsen, also Fahrräder, aber scheinbar keine Verkehrsregeln. Mir schien, dass neuere Fahrräder Vorfahrt haben. Und es gibt unglaublich viele Touristen. Schätzungsweise so viele im Jahr wie in Berlin, dafür ist die Stadt eben so klein und die Touristen sind so konzentriert, fahren alle mit Fahrrädern und haben Faltpläne in der Hand.
Die Nutten sitzen hier im Schaufenster und haben regen Besuch, von älteren Herren, die auffällig unauffällig tun, jungen Backpacker-Teenie-Jungs, die mit etwas verkifften Augen nicht wissen, ob sie sich interessieren sollen oder einfach nur kichern und von schwulen Männern, die sich nicht die Bohne für die barbusigen “Schönheiten” interessieren.
Also Amsterdam pur! Aber jetzt bin ich auf Umwegen wieder in Berlin und freue mich, dass die Straßen breit und die Touristen weit sind.
Tot ziens!
Als in der letzten Woche das Telefon klingelte, konnte ich es kaum glauben, mein alter Freund Jense E. aus München war am Telefonapparat. Und er war gut zu verstehen! Was besonderes? Durchaus! Denn ich verwende hier nicht unbewußt das Wort “Telefonapparat”. Jense E. ist einer der wenigen Menschen in Deutschland welche noch das herkömmliche Telefon mit Wählscheibe benutzen. Aus Überzeugung wahrscheinlich nicht. Eher aus finanziellen Gründen. Das gute Stück stammt aus den 70er oder 80er Jahren und kommt aus dem Nachlass des ehemaligen Stasi-Generals Ron aka der Pate aus Berlin-Mitte, den ich hier leider aus rechtlichen Gründen nicht verlinken darf. Aber dazu kommen wir in einem anderen Beitrag.

Telefon mit Wählscheibe von Jense E. aus dem Nachlass von Ron, der Pate, Berlin-Mitte
Jense E. hat in den vergangenen Jahren immer wieder auf sich aufmerksam gemacht. Unter anderem mit seinen amateurhaften Versuchen Webseiten zu programmieren und mit ihnen dann ein paar Scheine zu verdienen. Mit Projekten wie Berlinien, mit den unterirdisch schlecht bezahlten “Viking direkt” Superbannern direkt auf der Startseite, welche ja eigentlich keine Startseite ist, denn danach kommt ja nichts mehr, oder mit dem geklauten Online-Magazin vom Springer Axel Stadtus. Oder, oder, oder .. ich könnte hier Dutzende aufzählen. Aber das interessiert ja eh keine Sau. Einige Male stand er kurz davor, die magische Grenze von 2,33 Euro Umsatz in 78 Tagen zu erzielen. Doch wie immer versagten ihm auf der Zielgeraden seine kellergebräunten Currypieker (allgemeiner Sprachgebrauch, auch als “Beine” bekannt) den Dienst.
Aber jetzt soll alles anders werden! Mit der Tour de Spaß will Jense E. es allen Nöglern zeigen, dass es bei ihm zumindest noch für was zum Anziehen reicht. Eigentlich will und kann ihn keiner mehr sehen, hören oder leiden und wahrscheinlich ist es auch das gleiche wie bei seinen grauenhaften Affiliate Events. Alle gingen bergab und den Bach runter. Aber trotzdem ist die Branche gespannt auf das was kommen wird.
Ich werde meinen alten Kumpel Jense E. zumindest auf seinem Tourstop in Berlin besuchen und mit ihm auch die ein oder andere Brause trinken, wenn er mal Durst hat und ihm jemand eine spendiert. Jense E. trinkt nämlich kein Wasser.
P.S. Bei meinen Stammlesern möchte ich mich für diesen dilettantisch formulierten und recherchierten Beitrag entschuldigen, aber das mußte jetzt mal genau so raus.
Wer sich von „Wohin im Sommer in Berlin? Teil 3“ hat anregen lassen sein Sonntagnachmittagsbierchen mal in Industrieidylle zu genießen, war vielleicht beim Bierhoffest im Bierhof Rüdersdorf, präsentiert von Blockwart Mischke, dabei. Bei endlich mal wieder etwas blauem Himmel und Sonne fanden sich dort die hippen Jungs und Mädels die im Berghain die Nacht mit wahrscheinlich nicht nur einem Bier durchgefeiert haben nebst Rentnerehepaaren aus dem Kiez und jungen Familien, die ihrem Nachwuchs gleich mal an Berliner Ausgehkultur gewöhnen wollen und Friedrich und Emma zu chilligen Beats tanzen lassen.
Bei einer Wurst aus der Region oder leckerem aus der Küche und einem Konterbier oder doch lieber mit Kaffee und Kuchen konnte man hier Friedrichshain von seiner angenehmen und sehr entspannten Seite genießen. Zugegeben, so mancher durchgestylte, kostümierte, oder abgefuckte und nun nicht mehr so ganz frisch aussehenden Zeitgenossen mit deutlich roten Pupillen lässt mich, der die Nacht zuvor schon um drei ins Bett gegangen ist und irgendwie genug hatte schon staunen. Aber irgendwie toll, dass sich Gerda und Helmut aus der Platte in der Rüdersdorfer davon nicht abschrecken lassen und auch vorbeischauen, naja vielleicht haben sie sich ja an vergangene Zeiten bei den Seemannsliedern von Rummelsnuff erinnert! Als es dann so langsam Abend wird und ich mir auf den Liegeterrassen die letzten Sonnenstrahlen auf den Pelz scheinen lasse reißt mich dann noch mal Gloria Viagra, die stadtbekannte Zwei-Meter-Transe mit ihrer Squeeze Box Band aus meiner dösigen Seligkeit. Toll, Rock von Gitarre spielenden Lesben und einer singenden Lockenmähne mit Blume im Haar und einem Hauch von Stoff um die Hüften. Ach, Friedrichshain, ick liebe dir!














