Irgendwie war ind en letzten Wochen jeder Abend von einem Gefühl geprägt: Angst. Nicht die Angst vor der FDP und was ihnen wieder einfallen könnte, um die Welt zu retten; auch nicht die Angst vorm Iran und was dem wieder einfallen könnte, um die Welt zu vernichten, sondern die Angst vor dem Ende der Nachrichten.

Zum Ende der Nachrichten kommt in Deutschland nämlich immer der Wetterbericht. Da saß ich nun vor der Glotze, kaute meine Fingernägel ab und hoffte auf eine gute Nachricht, den Silberstreif am Horizont. Aber egal ob Inge Niedecken, Gunther Thiersch, Jörg Kachelmann oder einfach nur die anonyme Stimme des Tagesschauwetters, sie alle sagten nur das Eine: Weiterhin kalt, grau und Winter.

Aber jetzt passiert es immer häufiger: die alte gelbe Sau, die ich schon fast vergessen hatte, kämpft sich ihren Weg durch Wolken und Hochnebel und die Temperaturen steigen auf 5 Grad (plus), was sich schon fast subtropisch anfühlt. Der einzige Grund, weshalb ich noch nicht in Flip-Flops zum Späti um die Ecke dackeln lässt, sind die kleinen Schätze, die die schmelzende Schneedecke für uns bereithält: Hundescheiße seit Ende Dezember.

Hundekackhaufen in Berlin

Hundescheiße, olé!

Es ist unglaublich. Diese reine, weiße Purheit verbarg knapp unter der Oberfläche die schlimmsten braunen Haufen, die man sich vorstellen kann. Zusammen mit dem Schmelzwasser ergibt sich eine unheilvolle Mischung, die praktisch den ganzen Gehweg bedeckt. Und der Tagesspiegel berichtet heute, dass die BSR erstmal nichts wegräumen möchte. Nachts werde es ja wieder kälter, dann gefriert es und deshalb sei es unsinnig, den Split wegzuräumen. Der Split ist es ja auch gar nicht, aber die Hundeexkremente!

Es bleibt also weiter nichts übrig als auf der Straße zu gehen. Während der Glätte konnte man nicht auf den Gehwegen gehen, weil man Kopf und Kragen risikiert hat, jetzt darf man dort nicht gehen, weil man danach riecht wie… ich möchte es gar nicht sagen.

Tja, es ist ja unverkennbarerweise gerade Olympia. In Vancouver, einer Stadt, die man ja jetzt nicht gerade immer auf Anhieb auf dem Globus findet, strampeln sich Sportler aus aller Welt ab, um Medaillen, Ruhm und Werbeverträge mit Milka nach Hause zu bringen.

Doch auch hier in Good Old Germany finden täglich Wettbewerbe auf dem Eis statt. Vielleicht nicht ganz so elegant wie bei der unverwüstlichen Kati Witt, aber zumindest so schnell wie Claudia Pechstein rutschen die Berliner über die eisglatten Gehwege auf den Allerwertesten. Aber man weiß sich ja zu helfen, packt Spikes aus oder geht auf den Straßen.

Nur an eines ist nicht zu denken: Fahrradfahren. Nur Irre fahren gerade mit dem Rad. Und ich sehe mich nicht als Irren. Zwar kostet die BVG-Monatskarte schmerzliche 72 Euro, aber so viel ist mir meine Sicherheit doch wert. Während ich also jeden Morgen im warmen und überfüllten Bus zuckele, steht mein treues Rad sicher im Hinterhof und wartet auf den Frühling.

Dachte ich zumindest.

Nur wollte ich letztens den Müll runterbringen und nach dem guten alten Drahtesel sehen. Mülltonnen waren da, Fahrrad war weg. Da Entlaufen nicht in Frage kommt, wurde es geklaut. Bei dem Wetter! Wer klaut denn Fahrräder bei dem Wetter? Der muss ja noch irrer sein als derjenige, der damit fährt!

Die Reste vom Fahrradschloss...

Die Reste vom Fahrradschloss...

Sauwütend stapfe ich ohne Müll und leider auch nun ohne Fahrrad wieder in die Wohnung. Erstmal alle möglichen Leute anrufen und vollheulen. War ja auch ein schönes Rad, nix für ein paar Tausend Euro, aber ein paar Hundert immerhin. Wenn ich jeden Tag damit fahre, will ich ja nicht mit nem Real-Bike eiern. Ein kurzer Kontrollblick auf die Finanzlage verschlechtert meine Stimmung weiter, ich habe keine paar Hundert für ein neues Fahrrad übrig.

Da fällt mir aber ein, dass ich ja mal eine Hausratversicherung abgeschlossen hatte. Der Typ war ganz nett damals, war da nicht auch was für’s Fahrrad dabei? Ich krame und suche. Weiß nur noch sowas wie Allianz Berlin. In meinem Sauhaufen finde ich wenig mehr als noch den Namen und die Anschrift: Allianz Generalvertretung Dipl.-Ing. Thomas Bienek, Zingster Straße 2, 13051 Berlin.

Und  tatsächlich ein Happy-End: Ich rufe Herrn Bienek an und er regelt das völlig unkompliziert. Wie in der Werbung, denk ich. Und außerdem bin ich froh, dass sich so eine Versicherung echt lohnt, manchmal hab ich ja schon geglaubt, mich würde es nicht erwischen. Jedenfalls ist jetzt das Geld da und ich kann mir in der nächsten Zeit mein neues Fahrrad kaufen.

Auf die Dauer wäre die Monatskarte zu teuer geworden und ich hätte doch auf ein Real-Bike umsteigen müssen. Ich weiß auch schon, dass es kein Mountainbike mehr wird, sondern was mit schmaleren Reifen. Und dass es nagelneu sein wird und ich nicht viel drauflegen muss!

Bis dahin schlittere ich noch an den gestürzten Omas vorbei zum Bus.