Wer nicht so wie ich vor meinem letzten Urlaub, bis kurz vor Antritt, immer noch nicht einen Entschluss gefasst hatte, wohin es gehen soll, der kann sich seit Ende Mai mit dem Hamburger Angebot Sehnsucht Deutschland TV Anregungen holen und sich inspirieren lassen. Unter der Domain www.sehnsuchtdeutschland.tv stehen dem Besucher mehrere kurze, hochqualitative Videos mit Impressionen aus den beliebtesten deutschen Urlaubsgebieten zur Verfügung. Orte und Inseln, Landschaften, Empfehlungen zu kulturellen Events und kulinarischen Spezialitäten, zu Aktivitäten und Freizeitangeboten sind verfügbar und vermitteln schon im Wohnzimmer ein Hauch von Ferien. Dazu kommen weiterführende Links und Empfehlungen, mit denen der Urlaub direkt und ganz konkret geplant werden kann. Feine Sache!

Tja, da steh ich nun vor der Entscheidung – ein Wochenende an der Ostsee mit der Freundin? Oder lieber mit den Jungs in Berlin und Umgebung auf der Yacht? Na ja, nicht gleich Yacht. Eher ein Boot. Aber ausreichend um 4 Leute aufzunehmen. 4 feste Kojen, eine Dusche mit Warmwasser an Bord, ein Herd und eine Mikrowelle und ein Klo. Zwei ordentliche Volvo Penta Motoren, die auch ein wenig Dampf haben. Angeln, grillen, zusammensein, lachen udn dämlich quatschen. Eine schöne Aussicht! Auf der anderen Seite, das weite Meer, ein schönes Hotel, aber auch 4 Stunden, zwei mal 4 Stunden, fahrt und Spaziergänge und Wellness und reden und und und. Schwierige Entscheidung.

Aber zum Glück wird mir die Entscheidung abgenommen. Die Motoren zucken. Der harte Winter hat Tribut gefordert. Froststopfen geplatzt. Ok, das ginge noch. Aber auch dien Thermostate sind hinüber. Und beim Ausbau reißt doch tatsächlich eine Schraube ab! Ok, geht auch noch. Volvo Penta Seite aufgerufen udn Schruabe bestellt oder zur Not in den nächten Baumarkt. Aber denkste! Was für eine Sauerei! Die Schraube ist eine sogennannte Doppelhohlschraube in der Größe M8. Und diese wird nicht mehr hergestellt! Tja, und nun? Einer meiner Freunde ist passionierter Bastler. Auf ihm würden alle Hoffnungen ruhen! Also, welche Entscheidung?

Wahrscheinlich wird es das Boot. Warum? Weil ich ein paar alte Fotos herausgekramt habe und mir das Wasser im Mund zusammengelaufen ist. Bei solchen Fischen und mit diesen Freunden kann es nichts besseres geben!

So schön kann Angeln sein

Im März werd ich hier nicht viel schreiben. Ich verabschiede mich in den Urlaub. Und zwar nach Afrika.

Südafrika, Namibia und Botswana. Von der Skelettküste am Atlantik nach Kapstadt zum Kap der guten Hoffnung, über die Gardenroute nach Swasiland hin zum Indischen Ozean. Löwen, Elefanten, Wasserbüffel, Weißer Hai, Nashörner – das alles wird geschossen. Natürlich nur mit der Kamera. Eigentlich, so fällts mir gerade ein, sollte ich ja erst im Juni und Juli nach Südafrika. Als passionierter Fussballfan wären das zwei Fliegen mit einer Klappe. Im Sommer findet das erste mal auf dem afrikanischen Kontinent eine Fussballweltmeisterschaft. In Stadien in Johannesburg und auch Kapstadt wird es heiß hergehen. Und die Deutschen haben sich auch qualifiziert. Das wäre großartig! Aber die Flüge wurden schon vor einiger Zeit gebucht. Und nun? Dann fahr ich eben noch einmal im Sommer! Ja, warum nicht?

Irgendwie war ind en letzten Wochen jeder Abend von einem Gefühl geprägt: Angst. Nicht die Angst vor der FDP und was ihnen wieder einfallen könnte, um die Welt zu retten; auch nicht die Angst vorm Iran und was dem wieder einfallen könnte, um die Welt zu vernichten, sondern die Angst vor dem Ende der Nachrichten.

Zum Ende der Nachrichten kommt in Deutschland nämlich immer der Wetterbericht. Da saß ich nun vor der Glotze, kaute meine Fingernägel ab und hoffte auf eine gute Nachricht, den Silberstreif am Horizont. Aber egal ob Inge Niedecken, Gunther Thiersch, Jörg Kachelmann oder einfach nur die anonyme Stimme des Tagesschauwetters, sie alle sagten nur das Eine: Weiterhin kalt, grau und Winter.

Aber jetzt passiert es immer häufiger: die alte gelbe Sau, die ich schon fast vergessen hatte, kämpft sich ihren Weg durch Wolken und Hochnebel und die Temperaturen steigen auf 5 Grad (plus), was sich schon fast subtropisch anfühlt. Der einzige Grund, weshalb ich noch nicht in Flip-Flops zum Späti um die Ecke dackeln lässt, sind die kleinen Schätze, die die schmelzende Schneedecke für uns bereithält: Hundescheiße seit Ende Dezember.

Hundekackhaufen in Berlin

Hundescheiße, olé!

Es ist unglaublich. Diese reine, weiße Purheit verbarg knapp unter der Oberfläche die schlimmsten braunen Haufen, die man sich vorstellen kann. Zusammen mit dem Schmelzwasser ergibt sich eine unheilvolle Mischung, die praktisch den ganzen Gehweg bedeckt. Und der Tagesspiegel berichtet heute, dass die BSR erstmal nichts wegräumen möchte. Nachts werde es ja wieder kälter, dann gefriert es und deshalb sei es unsinnig, den Split wegzuräumen. Der Split ist es ja auch gar nicht, aber die Hundeexkremente!

Es bleibt also weiter nichts übrig als auf der Straße zu gehen. Während der Glätte konnte man nicht auf den Gehwegen gehen, weil man Kopf und Kragen risikiert hat, jetzt darf man dort nicht gehen, weil man danach riecht wie… ich möchte es gar nicht sagen.

Tja, es ist ja unverkennbarerweise gerade Olympia. In Vancouver, einer Stadt, die man ja jetzt nicht gerade immer auf Anhieb auf dem Globus findet, strampeln sich Sportler aus aller Welt ab, um Medaillen, Ruhm und Werbeverträge mit Milka nach Hause zu bringen.

Doch auch hier in Good Old Germany finden täglich Wettbewerbe auf dem Eis statt. Vielleicht nicht ganz so elegant wie bei der unverwüstlichen Kati Witt, aber zumindest so schnell wie Claudia Pechstein rutschen die Berliner über die eisglatten Gehwege auf den Allerwertesten. Aber man weiß sich ja zu helfen, packt Spikes aus oder geht auf den Straßen.

Nur an eines ist nicht zu denken: Fahrradfahren. Nur Irre fahren gerade mit dem Rad. Und ich sehe mich nicht als Irren. Zwar kostet die BVG-Monatskarte schmerzliche 72 Euro, aber so viel ist mir meine Sicherheit doch wert. Während ich also jeden Morgen im warmen und überfüllten Bus zuckele, steht mein treues Rad sicher im Hinterhof und wartet auf den Frühling.

Dachte ich zumindest.

Nur wollte ich letztens den Müll runterbringen und nach dem guten alten Drahtesel sehen. Mülltonnen waren da, Fahrrad war weg. Da Entlaufen nicht in Frage kommt, wurde es geklaut. Bei dem Wetter! Wer klaut denn Fahrräder bei dem Wetter? Der muss ja noch irrer sein als derjenige, der damit fährt!

Die Reste vom Fahrradschloss...

Die Reste vom Fahrradschloss...

Sauwütend stapfe ich ohne Müll und leider auch nun ohne Fahrrad wieder in die Wohnung. Erstmal alle möglichen Leute anrufen und vollheulen. War ja auch ein schönes Rad, nix für ein paar Tausend Euro, aber ein paar Hundert immerhin. Wenn ich jeden Tag damit fahre, will ich ja nicht mit nem Real-Bike eiern. Ein kurzer Kontrollblick auf die Finanzlage verschlechtert meine Stimmung weiter, ich habe keine paar Hundert für ein neues Fahrrad übrig.

Da fällt mir aber ein, dass ich ja mal eine Hausratversicherung abgeschlossen hatte. Der Typ war ganz nett damals, war da nicht auch was für’s Fahrrad dabei? Ich krame und suche. Weiß nur noch sowas wie Allianz Berlin. In meinem Sauhaufen finde ich wenig mehr als noch den Namen und die Anschrift: Allianz Generalvertretung Dipl.-Ing. Thomas Bienek, Zingster Straße 2, 13051 Berlin.

Und  tatsächlich ein Happy-End: Ich rufe Herrn Bienek an und er regelt das völlig unkompliziert. Wie in der Werbung, denk ich. Und außerdem bin ich froh, dass sich so eine Versicherung echt lohnt, manchmal hab ich ja schon geglaubt, mich würde es nicht erwischen. Jedenfalls ist jetzt das Geld da und ich kann mir in der nächsten Zeit mein neues Fahrrad kaufen.

Auf die Dauer wäre die Monatskarte zu teuer geworden und ich hätte doch auf ein Real-Bike umsteigen müssen. Ich weiß auch schon, dass es kein Mountainbike mehr wird, sondern was mit schmaleren Reifen. Und dass es nagelneu sein wird und ich nicht viel drauflegen muss!

Bis dahin schlittere ich noch an den gestürzten Omas vorbei zum Bus.