Da saß ich also heute da und unterhalte mich mit einem Freund über alles Mögliche, als er so einfach diese Frage stellt. Zuerst zweifelte ich an seiner Zurechnungsfähigkeit, kam es mir doch die letzten Tage so vor, als hätte die ganze Stadt kein anderes Thema als die Fashion Week und das scheißkalte Wetter. Da Letzteres so wenig anheimelnd ist und irgendwann sogar der hartgesottenste Winterhasser des Rumgenöles überdrüssig wird, gibt es also nur noch ein Thema: Die Mercedes-Benz Fashion Week in Berlin. Und so sind auch die Hälfte der Berliner Litfaßsäulen mit den großen Plakaten gepflastert. Zugegeben, gerade hat man eher den Blick auf dem eisglatten Boden, um sich nicht alle Knochen zu brechen, aber ab und zu sieht man aus dem Bus noch diese Plakate, die für Mode in Berlin werben sollen. Read more
Wenn ich versuche meine Erinnerungen an den Mauerfall zusammenzukramen kommen mir die Bilder von vor Freude weinenden Menschen am Brandenburger Tor in den Sinn, die damals über unseren westdeutschen Bildschirm flimmerten. Ich war noch ein Bub und ich kann mich nicht mehr erinnern, ob ich damals verstanden habe, was das Gesehene bedeutet, aber ich habe wohl verstanden, dass etwas Besonderes passiert. Ich kam nicht mehr vom Fernseher weg. Mir kommt auch mein Opa in den Sinn, der mir im Sommer darauf nach einem Besuch bei Bekannten „drüben“ auf meine Frage, wie lang das wohl dauert bis es ein Deutschland gibt und es „drüben“ so wie bei uns ist, antwortete: 20 Jahre.
Nun wohne ich mittlerweile in Berlin und finde es grade ganz erstaunlich, wie selbstverständlich und ohne zu überlegen mein Opa mir damals eine Zeit nannte und ich finde es eben so erstaunlich, wie selbstverständlich ich in meiner westdeutschen Sozialisation davon ausgegangen bin, dass es im ostdeutschen Teil so werden soll wie in dem Teil, in dem ich aufgewachsen bin. Besserwessi eben.
Aber hatte mein Opa Recht? Vielleicht lag er mit 20 Jahren gar nicht so falsch. Trotz nicht enden wollender Diskussionen über die Unterschiede zwischen Ost und West kann man glaub ich mittlerweile von einem Deutschland sprechen, aber nicht einem, dass so ist wie „bei uns“, sondern einem mit vielen Gemeinsamkeiten und vielen Unterschieden; zwischen Nord und Süd, zwischen Hamburgern und Münchnern, Rheinländern und Schwaben und auch zwischen Ost und West. Grade hier in Berlin, wo es die Republik in Miniatur gibt, wo sich neben den „echten“ Berlinern Menschen aus allen Teilen des Landes zusammenfinden, wird das doch deutlich. Es gibt eben viele Unterschiede und auch viele Gemeinsamkeiten.
Bestimmt aber hätte man an dieser einmaligen geschichtlichen Zäsur mehr auf die auf einmal zusammenkommenden Unterschiede, die nun zusammenwachsen sollten, schauen können und mit den Lebensgeschichten die ja ohne Frage in Ost und West unterschiedlich waren stärker als geschehen das Gemeinsame finden und bilden können. Aber für mich bleibt das bestehen, was ich damals vor 20 Jahren wohl auch empfunden habe, das etwas Besonderes passiert ist! Ostschrippe hin, Westampelmännchen her, ich find es einfach toll von meiner Wohnung in Friedrichshain in die Kneipe nach Kreuzberg fahren zu können und von der Warschauer Brücke den schönsten Blick auf unser gemeinsames Berlin haben zu können.
Im Tape, einem feinen und mittlerweile schon nicht mehr wirklich als Geheimtipp zu bezeichnenden Club in der Heidestraße unweit des Hauptbahnhofs, wird nicht nur grandios gefeiert sondern es finden in steter Regelmäßigkeit auch Ausstellungen statt, die einen Besuch mehr als lohnen. Nicht zuletzt, weil auch bei den Ausstellungseröffnungen das Feiern nicht vergessen wird! So geschehen letzten Freitag zur Eröffnung von Tape Modern 12.
Die Gegend rund um den Hamburger Bahnhof ist ja nicht erst seit Gestern bekannt für eine hohe Dichte an Galerien und Ateliers und so findet nun schon zum zwölften Mal im Tape die Austellungsreihe „Tape Modern“ statt. Kuratiert wird sie von Erik Niedling and Amir Fattal und trägt den Titel „Neun Arten von Gelände“. Die Gruppenausstellung, für die es diesmal Beiträge von 19 Künstlern gibt, findet in Zusammenarbeit mit „Heidestraße Galleries“ und „Halle am Wasser“ statt. Die gezeigten Arbeiten haben dabei keinen thematischen Zusammenhang, sondern zeigen eher den intensiven und unterschiedlichen Zugang der Künstler zu ihrem Terrain, wofür die neun Arten von Gelände im Titel stehen. Von Zeichnungen und dem photographischen Schwerpunkt der Ausstellung werden über Objektkunst und Videokunst auch Installationen mit Happeningcharakter gezeigt.
Doch wer das am Eröffnungstag sehen wollte, musste früh da sein, wobei früh sein bei einer Vernissage im Tape so etwa 22.00 Uhr heißt. Über 1000 Kunstbegeisterte drängten sich zu Spitzenzeiten in der Ausstellungshalle und im Clubbereich. Bis 23.00 Uhr konnte man auch noch umsonst kommen und sich zuerst die Arbeiten ansehen und drüber plaudern um dann das Wochenende tanzend einzuläuten. Eine schöne Art sich nicht nur als Partyelse, sondern auch kulturverständig zu zeigen.
Morgen wird in einem Festakt das Neue Museum wieder eröffnet und damit sind zum ersten mal nach dem Krieg wieder alle fünf Museen auf dem Unesco-Weltkulturerbe Museumsinsel zugänglich und nach fast 70 Jahren kehrt Nofretete wieder zurück ins Neue Museum. Das von Friedrich August Stülers 1855 fertig gestellte Gebäude war schon zu seiner Entstehungszeit gefeiert und zählte zu den besten Museen der Welt. Im Krieg wurde es stark zerstört und friste zu DDR-Zeiten ein eher trostloses Dasein.
Nach der Wiedervereinigung wurde David Chipperfield beauftragt, das Gebäude wieder herzustellen und sein Umgang mit der Ruine löste viele Diskussionen aus, hat er doch nicht versucht den Stülerbau originalgetreu wiederherzustellen, sonder ergänzte die noch erhaltenen Baufragmente sensibel mit modernen, aber den Bestand respektierenden Bauteilen und ließ die Spuren der Zerstörung sichtbar. Anfang des Jahres wurde nun das Neue Museum an die Stiftung Preußischer Kulturbesitz übergeben und trotz vorangegangener kritischer Stimmen, die eine Rekonstruktion des Stülerbaus forderten, begeisterte das Ergebnis fast durchgängig die Besucher, Fachleute und Interessierte. In der Zwischenzeit wurde nun die Ausstellung fertig gestellt, samt der Rückkehr der Nofretete und morgen wird Bundeskanzlerin Angela Merkel das Neue Museum endgültig für das Publikum freigeben. Am Wochenende werden in den zwei Tagen mit freiem Eintritt zehntausende Besucher erwartet.
Auf fast 8000 qm Ausstellungsfläche bekommen die Besucher die Pracht der ägyptischen Sammlungen sowie Objekte zu Vor- und Frühgeschichte zu sehen. Es werden insgesammt fast 9000 Objekte ausgestellt, die textlich nur knapp erläutert werden und hauptsächlich durch ihre Präsenz wirken sollen. Von einem 700000 Jahre alten Faustkeil bist zu Zeugnissen aus der Zeit Karls des Großen bekommt der Besucher einen Überblick über unsere Geschichte, besonders beeindruckend sind dabei die ägyptischen Statuen, die einen auf Augenhöhe anblicken. Herausragend ist besonders der Schatz des Priamos, der von Heinrich Schliemann 1873 im antiken Troja entdeckte. Der Grossteil befindet sich allerdings seit dem Zweiten Weltkrieg in Russland und lagert im Moskauer Puschkin Museum.
Das Glanzstück bleibt allerdings die Nofretete, die sicherlich ganz vorne in der Publikumgunst liegt! Aber trotz ihrer beeindruckenden Schönheit sollte man sich bei einem Besuch nicht den Rest der überwältigenden Ausstellung und natürlich auch nicht die Architektur des Museums entgehen lassen. Ich für meinen Teil freu mich jedenfalls sehr darauf.
Kreuzberg hat eine Weinkönigin! Die Grünen-Fraktion in Friedrichshain Kreuzberg hat sie unter der Schirmherrschaft von Bezirksbürgermeister Franz Schulz gesucht und gefunden in Stefan Boltz. Ja, nicht Stefanie, sondern Stefan. Denn die erste Kreuzberger Weinkönigin sollte nicht zwangsläufig deutsch weiblich und vorzugsweise blond sein, um den auf dem Kreuzberg angebauten Kreuz-Neroberger zu repräsentieren – ein Wein der sich (nicht) wirklich mit den Pfälzer Weinen, dem Herkunftsgebiet der neuen Weinkönigin, messen kann.
Die Weinkönigin sollte vor allem in den Gebieten schwul-lesbisches Leben, Gleichstellung, Migration und ökologischem Landbau bewandert sein und dazu Stellung nehmen. Ganz deutlich waren Berliner jeden Geschlechts, jeder Hautfarbe und jeder sexuellen Orientierung aufgerufen sich der Wahl zu stellen. “Mit der Veranstaltung wollen wir ein Zeichen im Sinne des Diversity-Ansatzes setzen und zeigen, dass in Friedrichshain-Kreuzberg Platz für alle Lebensentwürfe und Kulturen ist” meinte dazu Tine Hauser-Jabs von der grünen Fraktion im Bezirksparlament Friedrichshain-Kreuzberg.
Natürlich ging es aber auch hier nicht nur um eloquentes Auftreten, sondern auch die Repräsentationsfähigkeiten wurden getestet und so mussten die KandidatInnen zunächst bei einem Hindernisparcour beweisen, wie sicher, schnell und dabei immer noch graziös sie sich mit einem Glas Wein auf einem Tablett bewegen können. Zugegeben war das was man sah nicht immer graziös, aber schnell waren einige, die das Glas einfach in die Hand nahmen. Auch das tänzerische Können spielte eine Rolle und die KandidatInnen versuchten mit einem Partner aus der Reihe der Zuschauer die Jury zu überzeugen, dass sie in der Lage sind, sich auf (inter)nationalem Parkett stilsicher zu bewegen. Aber auch hier war bei so einigen das Bemühen deutlich größer als das Können, animierte aber trotzdem die Zuschauer in der einsetzenden Berliner Herbstkälte sich warm zu tanzen. Und wem dann während der folgenden Reden der potentiellen Weinköniginnen kalt wurde, der könnte sich mit Wein oder auch Kaffee wärmen, bis schließlich die Jury die erste Kreuzberger Weinkönigin verkündete: Stefan Boltz! Er wurde von Christian Ströbele gekürt, samt Schärpe und Krönchen, und wird nun für ein Jahr amtieren. Man darf gespannt sein und sich schon jetzt auf die Wahl im nächsten Jahr freuen.















