Auf taz.de erschien am 3. September unter dem Tag Townhouses und dem Titel „Berlin wird immer provinzieller“ das Interview mit dem Architekturtheoretiker Werner Sewing zum Thema Townhouse und Baugruppen und Verdrängen von Altbewohnern. Herr Sewing stellt fest, dass diese Wohnformen die Bevölkerungsstruktur wenig verändern.

Gentrifikation* durch Bau der Townhäuser – keine Rede

Diese Ansicht teilen auch erfahrene Stadtentwickler. Erinnert sei an die Zeit nach der Vereinigung. Der Kollwitzplatz gehörte zu den ersten Gebieten, welches von süddeutschen Neuberlinern bevölkert wurde. In dieser Gegend wurden zuerst Dächer ausgebaut und marode Bausubtanz saniert. Private Investoren und Erbengemeinschaften (Rückübertragung) retteten Häuser vor dem Zerfall. Natürlich stiegen dann die Mieten gegenüber Wohnungen mit Außentoilette, Einfachverglasung und Ofenheizung. Zudem besaß der Prenzlauer Berg einen Leerstand, der durch Ex-DDR-Bewohner verursacht wurde, die sich in den Wendejahren nach Westdeutschland absetzten. Wer hätte diesen Leerstand füllen sollen? Die ehemaligen DDR-Wohnungsbaugesellschaften mit Bewohnern aus Marzahn oder Hellersdorf? Diese Bewohner waren doch gerade froh, dass sie vor der Wende noch eine Wohnung mit Zentralheizung und Fahrstuhl bekommen konnten.

Beliebt wurde der Stadtbezirk Anfang der 90-iger unter Studenten, die immer zahlreich dort vertreten sind. Und dass auch Jung-Akademiker mit Kindern dort wohnen, kann der Besucher auf dem Spielplatz am Kollwitz-Platz tagtäglich wahrnehmen. Wer wird eigentlich verdrängt? Im Umkreis lassen sich kaum Arbeitgeber aus der Industrie finden. Welche Arbeiterklasse sollte dann dort eventuell wohnen? Aus alten umliegenden Industrieanlagen werden Studios oder Agentur-Büros. Deren Angestellte wohnen ja gern im Prenzlauer Berg. Wie soll also ein sozial schwacher Bewohner definiert werden, der gegenwärtig in die Randbezirke verdrängt wird? So ist es auch in Mitte im Scheunenviertel, in der Rosenthaler und Spandauer Vorstadt. Und wen verdrängen die wenigen Townhäuser, die lang bestehende Baulücken schließen?

hafenquartier mitte townhouses berlin Townhouses Berlin – Gentrifikation Berlin Mitte & Prenzlauer Berg?Brachland & Baulücken – optimal für Town-House-Projekte

Townhäuser passen optisch gut zwischen die sanierten Gründerzeitbauten der beliebten Berliner Stadtbezirke. Im Scheunenviertel entstanden eins und drei Townhäuser in der Mulackstraße auf Baulücken. In der Waisenstraße südostwärts vom Alexanderplatz sieht es ähnlich aus. Auf dem Werderschen Markt am Hausvogteiplatz stehen Luxus-Townhäuser direkt neben der „Platte“ der Leipziger Straße. Werden dadurch die Mieten direkt beeinflusst und teurer? Oder ziehen die Bewohner deshalb in die Randbezirke? Ein schönes Beispiel, wie hier eine Gegend im Sinne durchwachsener Bevölkerungsstruktur durchmischt wurde.

Im nördlichen Berlin Mitte dagegen wurde unbewohntes Brachland erschlossen, um neue Townhouse-Projekte zu erbauen. Dabei wird kein ganzer Kiez verändert. „Die elf Townhouses vom Hafenquartier-Mitte.com entstehen auf dem ehemaligen Niemandsland des Mauerstreifens in einem extrem ruhigen Kiez mit noch wenigen Bewohnern pro Quadratmeter. Hier wird kein Bewohner verdrängt.“, so Oliver Hirt von der Agromex Berlin. Die Hafenquartier Berlin Townhouses entstehen in der Kieler Strasse am Ende der Scharnhorststraße am Ufer des Nordhafens. „Mit der dörflichen Ruhe könnte es aber bald vorbei sein. 2.000 Wohnungen entstehen in den nächsten Jahren am gegenüberliegenden Ufer. Dort beginnt gerade der Bau der Europacity. Ein ganz neues Stadtquartier und Berlins größte Baustelle.“, berichten die Kollegen Franz Rembold und Dr. Johannes Schamburg, Gesellschafter der Agromex aus Berlin und Leipzig.

Die Gegend interessiert nicht nur die erfahrenen Immobilienentwickler der Agromex Berlin-Leipzig. Auch die Meermann-Gruppe erwarb Brachland zwischen BND-Neubau und Scharnhorstrasse am zukünftigen Panke Park. Elf Häuser sind bereits bezogen und verkauft. Auffällig die Bewohnerstruktur. Viele Nationalitäten befinden sich unter den Bewohnern, die vorwiegend aus dem Akademiker-Umfeld stammen. In vielen Häusern wohnen Kinder. Derzeit wird die zweite Reihe angegangen und bis 2010 bezugsfähig.**

*Gentrifikation frei nach Wikipedia: weitere Bezeichnungen sind Gentrifizierung (von engl. Gentry: niederer Adel) und deutsch Gentrifikation (von engl. Gentrification). Beschreibt das Aufwerten von Stadtbezirken unter der Prämisse, dass sich auch die Bevölkerungsstruktur ändert. Oft verwendet im Sinne der Yuppisierung.

**weitere Infos dazu im Web: Immobilien News für Gewerbeimmobilien rohmert-medien.de