So sah sie vor dem Schminken aus

Berlin ist ja die Stadt der vielen Kreativen. Überall sitzen sie und arbeiten mit ihren Laptops, wenn das kostenloses Berlin-weite WLAN denn mal durch ist. Aber hier werden auch Filme gedreht, und nicht nur in Babelsberg.

Und Filme und Videos müssen ja auch irgendwo gedreht werden. Und so kam es, dass ich letztens angesprochen wurde, dass meine Wohnung doch ganz hübsch sei und noch ein Team eine Location für nen Dreh brauche. Uh, aufregend. Tatsächlich gefiel die Wohnung und heute ist Drehtag.

Da sitze ich jetzt also an meinem Schreibtisch. Zumindest den hab ich noch. Der Rest der 105-Quadratmeter-Wohnung ist nämlich im Beschlag des Teams. Und die bauen auf. Das ist nicht zu überhören. Es kracht, poltert, bumst und donnerst. Ich traue mich ja gar nicht, rauszugehen, um zu sehen, wie der Boden zerkratzt und die Wände verdreckt werden… Vielleicht sollte ich dazu sagen, dass die Wohnung ganz weiß ist. Nicht gerade eine sehr strapazierfähige Farbe.

Mittlerweile hat das Krachen aufgehört und die Scheinwerfer stehen. Was für ein Aufwand, es wird nur ein Paar-Sekunden-Video für eine Bildungsgeschichte des Bundespräsidenten gedreht, aber an meinem Küchentisch. Herr Köhler ist zwar nicht da, dafür kommen bald die Promis. Nora Tschirner und Klaas mit dem Doppelnachnamen, den ich mir nicht merken kann. Der von Viva, das ich nicht empfangen kann. Ich fühle mich ein wenig alt, weil die doch sonst jeder kennt.

Die Lichtexperten haben vor die Fenster einen riesigen Rahmen gespannt, um statt der Sonne, die normalerweise da reinstrahlt, einen weiteren Scheinwerfer von draußen reinstrahlen zu lassen. Auf die Stromrechnung bin ich jetzt schon gespannt.

Alle warten jetzt etwas nervös auf die Promis. Die Maske ist im Schlafzimmer und muss wohl viel vorbereiten, denn die beiden sollen auf alt geschminkt werden. Lautes Hallo und erhobene Stimmen lassen mich in meinem Exilzimmer, in dem ich weiter versuche zu arbeiten, darauf schließen, dass Elvis gerade das Gebäude betritt.  Kurz danach stehen die beiden auf dem Balkon vor meinem Fenster und rauchen und proben. So probende Schauspieler sind ja schon sehr speziell. Viel Text haben sie nicht, dafür wiederholen sie ihn wieder und wieder und wieder. Und beenden ihren Text mich lachen. Lachen proben ist ja besonders schwierig. Was wohl die Nachbarn jetzt denken? Zwei aufgedrehte Menschen, die immer wieder das Gleiche sagen und dann in etwas künstlichem Gelächter enden? Naja, die mussten schon schlimmeres erleben.

Als die Maske fertig ist, was sage und schreibe pro Person fast zwei Stunden gedauert hat, stehen nicht mehr diese jungen Moderatoren vor mir, sondern ein altes, graues, gebeugtes Ehepaar. Nicht schlecht gemacht, muss man ihnen lassen.

Der Dreh geht los und jetzt muss es mucksmäuschenstill sein. Ich haue lieber ab, denn als ich eben aufs Klo gegangen bin, hat man mich schon ganz böse angeschaut, als eine Diele unter meinen Füßen geknarzt hat.

Also mache ich Feierabend und setze mich ein bisschen in die letzten Strahlen der Sonne, morgen soll es regnen. Und wenn der Spot online ist, wo er ja hinsoll, poste ich hier den Link. Bis dann!

[UPDATE 01.12.2009]

Und hier nun das fertige Video “Heute ist Morgen Gestern”:

Eigentlich hatte ich mich innerlich schon darauf eingestellt, dass es immer so bleiben würde. Und dass ich auch einfach das ganze Jahr 2009, is ja eh ein Krisenjahr, wie man überall gesagt bekommt, zu Hause in der Wohnung zu verbringen und mich arm zu heizen. Die Bäume waren weiterhin nur kahle Striche in einer Mischung zwischen grau und braun und die Straßen sahen so kalt, nass und hässlich aus, dass ich lieber daheim sein wollte und im Internet surfen.
Da ist ja das Wetter immer gut.
Aber plötzlich fing es an. Zuerst hörte nur der Regen auf, dann hat mein Lieblingsbaum im Hinterhof – eine japanische Winterkirsche – vor meinem Balkon angefangen. Kleine grüne Punkte waren auf den Zweigen zu sehen. Und dann ging es ganz schnell. Zack, waren es am letzten Donnerstag 20 Grad hier in Berlin. Zack, waren die Straßen voller Menschen, die – o Wunder – ein Lächeln auf dem Gesicht trugen.
Das scheint mir auch nirgendwo so extrem zu sein wie in Berlin: Gib ihnen Sonne und wenn du sie nach dem Weg fragst, würden sie dich am liebsten hinfahren. Nimm ihnen die Sonne und du kannst froh sein, dass dich die Antwort, wenn du überhaupt eine bekommst, nicht in genau die Falsche Richtung schickt.

Happy Frühling!

Und jetzt ist sie da, die gelbe Sau, und lässt Berlin zur schönsten Stadt mit den nettesten Einwohnern werden. Alle Freunde laden zu Balkonpartys ein, die erste am DonnersFreitag war wunderbar und bei einem Italiener, der bereits den Sommer eingeläutet hat.

Allerdings gehört dazu auch jede Menge Arbeit, zum Frühlingsanfang. Der Balkon war über den Winter einfach zur Müllhalde verkommen und die Balkonmöbel waren zum Überwintern im Keller.
Jetzt ist das geschafft und ich habe mich sogar dazu gebracht, das Fahrrad zu putzen und die Kette zu entfetten. Die letzten Sonnenstrahlen trocknen jetzt die Kette und bis alles trocken ist, schreibe ich diesen Frühjahrseintrag. Nur frage ich mich, wie ich je wieder den Ölschmierdreck unter den Fingernägeln wegkriegen soll, hat jemand vielleicht nen Tipp?