Wer sich von „Wohin im Sommer in Berlin? Teil 3“ hat anregen lassen sein Sonntagnachmittagsbierchen mal in Industrieidylle zu genießen, war vielleicht beim Bierhoffest im Bierhof Rüdersdorf, präsentiert von Blockwart Mischke, dabei. Bei endlich mal wieder etwas blauem Himmel und Sonne fanden sich dort die hippen Jungs und Mädels die im Berghain die Nacht mit wahrscheinlich nicht nur einem Bier durchgefeiert haben nebst Rentnerehepaaren aus dem Kiez und jungen Familien, die ihrem Nachwuchs gleich mal an Berliner Ausgehkultur gewöhnen wollen und Friedrich und Emma zu chilligen Beats tanzen lassen.
Bei einer Wurst aus der Region oder leckerem aus der Küche und einem Konterbier oder doch lieber mit Kaffee und Kuchen konnte man hier Friedrichshain von seiner angenehmen und sehr entspannten Seite genießen. Zugegeben, so mancher durchgestylte, kostümierte, oder abgefuckte und nun nicht mehr so ganz frisch aussehenden Zeitgenossen mit deutlich roten Pupillen lässt mich, der die Nacht zuvor schon um drei ins Bett gegangen ist und irgendwie genug hatte schon staunen. Aber irgendwie toll, dass sich Gerda und Helmut aus der Platte in der Rüdersdorfer davon nicht abschrecken lassen und auch vorbeischauen, naja vielleicht haben sie sich ja an vergangene Zeiten bei den Seemannsliedern von Rummelsnuff erinnert! Als es dann so langsam Abend wird und ich mir auf den Liegeterrassen die letzten Sonnenstrahlen auf den Pelz scheinen lasse reißt mich dann noch mal Gloria Viagra, die stadtbekannte Zwei-Meter-Transe mit ihrer Squeeze Box Band aus meiner dösigen Seligkeit. Toll, Rock von Gitarre spielenden Lesben und einer singenden Lockenmähne mit Blume im Haar und einem Hauch von Stoff um die Hüften. Ach, Friedrichshain, ick liebe dir!
Ein ganz besonderes Highlight im Berliner Sommer: Der Biergarten Rüdersdorf. So heißt er wohl, weil er in der Rüdersdorfer Straße in Friedrichshain ist. Noch nie gehört? Macht nix, ist jetzt auch nicht so die Party-Adresse, so zwischen Platte am Franz-Mehring-Platz und der Polizei in der Wedekindstraße. Aber ein großer Name steht dem Bierhof direkt gegenüber: das kürzlich zum besten Klub der Welt gewählte Berghain.
Und genau hier versteckt sich also ein kleiner, nicht überlaufener Biergarten. Aus einer Betonstele plätschert das Wasser, eine erhöhte Plattform fängt die letzten Sonnenstrahlen ein. Am Grill steht ein Koch und richtet große und kleine Speisen an. Dazu ein Bier vom Fass, und die urbane Idylle ist perfekt. Am Sonntag gibt es ab 9 Uhr Frühstück, bei dem sich Raver und Rentner näher kommen. Oder man schaut einfach entspannt rüber zum Eingang des Berghain, wo die ersten um diese Uhrzeit den Klub verlassen, mit Augen so klein wie Stecknadelköpfen. Oder man schaut zum Eingang vom gegenüberliegenden Sexklub Lab.oratory, wo sich sonntagnachmittags die Herren die Klinke in die Hand geben, um dem zweiten Hobby neben Tanzen zu fröhnen und dabei auffällig unauffällig tun, um nicht vom Nachbarn oder dem Arbeitskollegen beobachtet zu werden.
Willkommen in Berlin!
Ha, als wär das für Berliner was Neues. Wurde Zeit, dass das auch mal wieder im Ausland gesehen wird. Und nun hat das englische DJ-Magazin mit dem einfallsreichen Namen “DJ Mag” es noch mal amtlich gemacht: Das Berghain ist der beste Techno-Club der ganzen weiten Welt! Und die Briten haben es damit sogar vor den eigenen Club “Fabric” in London gesetzt. Das kann schon was heißen, schließlich sind die anglo-germanischen Beziehungen ja traditionell nicht die besten…
Tja, und die frohe Kunde kann man jetzt überall lesen, auch die Zeitungen berichten darüber und schreiben auch immer brav dazu, dass die Einlasspolitik im Berghain so schlimm wäre und man Glück haben müsste, um rein zu kommen. Das ist ja schnick-schnack, wenn man nicht aussieht wie der Vollhonk und halbwegs dazu passt, kommt man doch immer rein. Wenn man da unsicher ist, sollte man nicht zur Rush-Hour um halb Zwei hingehen, da muss man ja eh immer nur ewig anstehen. Dann lieber etwas später oder halt davor nen Stempel holen und sich noch woanders vergnügen. Wobei das da in der Gegend eher schwierig ist, wenn nicht gerade in der Kantine direkt daneben ne Party ist.
Der Vollständigkeit halber bleibt noch zu erwähnen, dass außer dem Berghain noch mehr Berliner Klubs in der Liste des englischen Blättchens auftauchten: Auf Platz acht das Watergate, auf Platz 63 der Club der Visionäre und auf 70 die Bar 25. Wobei letztere ja noch etwas Probleme mit dem Erhalt hat, die haben ja einige Räumungsklagen am Hals…
Ich wette, dass bei der nächsten Auflistung noch das Rechenzentrum im Funkpark dazu kommt.
Und jetzt sollte der Weltmeistertitel gehörig gefeiert werden, am besten im Berghain.














