Ein ganz besonderes Highlight im Berliner Sommer: Der Biergarten Rüdersdorf. So heißt er wohl, weil er in der Rüdersdorfer Straße in Friedrichshain ist. Noch nie gehört? Macht nix, ist jetzt auch nicht so die Party-Adresse, so zwischen Platte am Franz-Mehring-Platz und der Polizei in der Wedekindstraße. Aber ein großer Name steht dem Bierhof direkt gegenüber: das kürzlich zum besten Klub der Welt gewählte Berghain.
Und genau hier versteckt sich also ein kleiner, nicht überlaufener Biergarten. Aus einer Betonstele plätschert das Wasser, eine erhöhte Plattform fängt die letzten Sonnenstrahlen ein. Am Grill steht ein Koch und richtet große und kleine Speisen an. Dazu ein Bier vom Fass, und die urbane Idylle ist perfekt. Am Sonntag gibt es ab 9 Uhr Frühstück, bei dem sich Raver und Rentner näher kommen. Oder man schaut einfach entspannt rüber zum Eingang des Berghain, wo die ersten um diese Uhrzeit den Klub verlassen, mit Augen so klein wie Stecknadelköpfen. Oder man schaut zum Eingang vom gegenüberliegenden Sexklub Lab.oratory, wo sich sonntagnachmittags die Herren die Klinke in die Hand geben, um dem zweiten Hobby neben Tanzen zu fröhnen und dabei auffällig unauffällig tun, um nicht vom Nachbarn oder dem Arbeitskollegen beobachtet zu werden.
Willkommen in Berlin!
Das kommt ja schon mal vor, dass man sich sowas fragt. Meistens, wenn man sich für einen Freund Zeit genommen hat und der dann doch etwas Besseres vor hat und man dann ganz allein zu Hause sitzt und nichts zu tun hat. Oder wenn man mit einem Freund verabredet ist, dann aber was ganz Tolles anderes dazwischen kommt und man dann doch absagen muss…
Gestern habe ich mich das allerdings bei einer ganz anderen Gelegenheit gefragt. Ich wohne ja in Berlin, was ja schon einen eigenen Blog rechtfertigen würde, aber davon sprech ich gerade nicht, und in Berlin sind ja seit Jahren schon Quiz-Shows in Kneipen beliebt. Da gibt es das Sportquiz in der Sportbar, das Boulevardquiz in der Transenbar, Quizze auf Englisch und jede Menge Allgemeinwissensquizata (Ich musste übrigens die Mehrzahl von “Quiz” nachschauen, lautet tatsächlich “Quiz”). Das läuft immer mehr oder weniger gleich ab, jeder gibt einen Betrag (z. B. 50 Cent) in den Jackpot und hofft, die Fragen beantworten zu können, die der Freizeitquizmoderator und hauptberuflich Bierausschenker stellt. Kann man das, schreibt man die hoffentlich richtige Antwort auf die Quizbögen und gibt diese dann nach 20 Fragen ab. Der mit den meisten richtigen Antworten hat gewonnen.
Quizen sind beliebt und machen die Kneipe immer rappelvoll. Man verabredet sich in ganzen Herden dort und hat mit ein paar Bier oder Gin Tonics einen Heidenspaß. Also bis das Quiz beginnt. Dann geht’s nämlich los und Menschen, die bisher Freunde waren, werden zu Raubtieren. Aus der Herde glücklich blöckender Schafe werden lauter einzelne sibirische Tiger, die mit ihren Krallen die richtigen Antworten auf den Zettel kratzen. Triumphierende Blicke, wenn man die Antwort weiß, wie wohl Balzac mit Vornamen hieß und gleichzeitig wird der bislang gute Freund mit abschätzenden Blick (ach, nix mit Hochkultur, was?) bestraft. Weiß man eine Antwort nicht, bloß nicht anmerken lassen, schließlich bedeutet Schwäche zeigen den grausamen Tod unter Raubtieren.
Hat man die Antwort dann aufgeschrieben, wird der Quizbogen umständlich zusammengefaltet und mit Argusaugen darauf geachtet, dass bloß keiner abschaut, schlimmer als der früher in der Schule so verachtete Streber, der keinem die richtige Antwort gesagt hat. Zwischendurch keimt zwischen dem Biervorhang und dem unglaublichen Siegeswillen kurz die Frage auf, ob es sich für einen Jackpot von 21,50 Euro in Münzgeld wirklich lohnt, langjährige Freundschaften aufs Spiel zu setzen, indem man ihnen partout nicht die richtige Antwort sagen will. Aber die Gier und die Erinnerung an
das letzte Mal, wo der ach so gute Freund eine Antwort wusste, die man selbst nicht hatte, aber sie besser hütete als der Teufel seine drei goldenen Haare, lässt das Ziel wieder klarer erscheinen: Heute allein zu siegen und einmal da oben zu stehen, als der König des Quizzes, die Münzen im Siegespokal klimpern zu hören und der Beste zu sein.
Gestern war dann das Quiz aus, und keiner von uns hatte gewonnen. Wir verachteten allerdings gemeinsam den kahlköpfigen Gewinner, was uns wieder etwas enger zusammenschweißte. Als es zur Verabschiedung kam, war diese aber mal wieder etwas unterkühlt, ich glaube, ich bin froh, dass ich nur ein paar Mal im Jahr zu diesen Quizen gehe, mehr würde die Freundschaft wohl nicht aushalten…













