Kulinarisch Besonderes gibt es ja mittlerweile in Berlin so einiges, wer aber auf der Suche nach einem besonders gaumenkitzelnden Geschmackserlebnis ist, sollte sich mal einen Tisch im Maremoto reservieren. Am Straußberger Platz gelegen ist man in dem modisch legerem Restaurant zu Gast bei Cristiano Rienzner, ein Avantgarde-Koch, der sein Handwerk bei Ferran Adrià in dessen mehrmals zum besten Restaurant der Welt gewähltem „El Bulli“ gelernt hat. Rienzner selbst nennt seine oftmals als Molekularküche bezeichnete Art zu kochen Metaphoric Cuisine und meint damit Geschmackserlebnisse, die ungeahnte Bilder und Assoziationen hervorrufen und alle Sinne beanspruchen.
Dies erklärt auch der betont professionelle Service am Tisch und macht noch einmal deutlich, dass es hier nicht bloß um Nahrungsaufnahme geht, sondern um eine kulinarische Reise, die auch die Lust auf Unbekanntes und geschärfte Sinne abverlangt. Wir bestellen also die ganze Wahrheit, das große Menü mit 9 Gängen und bekommen dazu Wein empfohlen, der natürlich auch nicht irgendeiner ist, sondern von ausgesuchten Weingütern stammt. Alle Gänge, kleine wie Skulpturen drapierte Arrangements, werden ausführlich angesagt und erklärt und bieten dann tatsächlich nicht nur handwerklich perfekt gemachte Küche, sondern ungeahnte Geschmackskombinationen, die anregen und Lust bereiten.
Da gibt es zum Beispiel „Mangold in Dekonstruktion“, wobei die Bestandteile dieses ursprünglichen und nun in jedes zeitgemäße Restaurant Einzug gehalten Gemüses zu Gelee, gedämpften Strünken, frittierten Blättern und einer schaumigen Espuma verarbeitet wurden. Und tatsächlich entwickelt jede Kreation für sich und in der Kombination mit den anderen zusammen einen ganz eigenen Geschmack von mild dahin schmelzend bis knackig säuerlich. Das der Fisch bei „Wild thing – Reise nach Monte Carlo“ perfekt gegart ist versteht sich von selbst, zusammen mit einem Püree aus schwarzem Knoblauch, der in Japan in einem besonderen Verfahren veredelt wird und so seine schwarze Farbe erhält, wird er einfach unglaublich stimulierend und macht Lust auf mehr. Beendet wurde diese kulinarische Reise mit „Pinienkerneis Cholila mit Lychee und Cafe und Krokant von Bacon“. Ja richtig gelesen, ein Röllchen von Frühstücksschinken fand sich auf dem Dessertteller. Aber in seiner karamellisierten Form zusammen mit dem unglaublich cremigen Eis einfach toll. Und natürlich ist auch der abschließende Espresso nicht irgendeiner, sondern eine Kombination von fünf verschiedenen Anbaugebieten eines italienischen Herstellers, der davon lediglich 240 kg pro Jahr produziert. Da wundert es dann nicht, dass das Maremoto das einzige Restaurant in Deutschland ist, das diesen kleinen Schwarzen anbietet.
Ja, es ist schon alles ziemlich besonders bei Cristiano Rienzner und das fortwährende anstupsen der Geschmacksknospen ist schon auch etwas anstrengend. Manchmal wünschte ich mir einfach mal in dem einen oder anderen kulinarischen Genuss länger zu schwelgen, aber mit einem Haps war dann auch schon wieder alles weg. Schade. Aber das ist natürlich auch einfach Teil dieser Art zu kochen, wie bei der Weinverkostung steht nicht das sich hingeben und schwelgen im Vordergrund, sondern die Lust neue Geschmackserlebnisse zu entdecken.












