Ich glaub, was die Wochenendgestaltung angeht, ging es ja bisher um einiges, was man alles Tolles in Berlin machen und erleben kann. Aber grade wenn es abends wieder dunkler wird und es noch dazu beständig regnet, fällt einem doch auch wieder Tolles ein, was man in den eigenen vier Wänden machen kann. Pokern zum Beispiel. Spätestens seitdem die Pokerrunde zum medialen Ereignis geworden ist und von DSF als Fernsehzuschauer bis zu Facebook selber spielend überall gepokert wird, gibt es bei mir nun auch einen schicken kleinen Alukoffer mit Allem, was man zu einem gelungenem Pokerabend braucht! Also eigentlich hab ich ja keinen blassen Schimmer davon und ein Pokerface gehört nun auch nicht wirklich zu meinem Standardrepertoire was Mimik angeht, aber es macht einfach unglaublich viel Spaß. Vielleicht grade, wenn man nicht zu den Profispielern zählt!
Natürlich gehört auch ein Einsatz dazu. Es ist wirklich unglaublich wie die Anspannung und der Nervenkitzel steigt wenn man nur einen Euro in den Topf geschmissen hat. Der darf nicht verloren gehen! Nachdem sich dann alle in der Runde nochmal so halbwegs die Regeln in Erinnerung gebracht hatten, kann es dann auch schon losgehen. „Blind“ und „big blind“, der kleine und große festgelegte Einsatz, den immer zwei Spieler leisten müssen, werden gesetzt, der „dealer“ gibt. Natürlich muss vorher noch der Nebenmann „abheben“, also ein paar Karten vom gemischten Stapel nehmen, um sicher zu gehen, dass der „dealer“ auch nicht die Karten seiner Wahl unterschiebt. Oder er vertraut ihm und klopft fachmännisch auf den Stapel. Dann wirft also jeder einen kurzen Blick in die Karten, nur kurz, und alles was man jetzt noch an Überlegungen anstellt, weil man entweder keine Ahnung hat, was man mit den Karten anfangen soll oder man sich diebisch über das gute Blatt freut, tut man nun tunlichst ohne eine Gesichtsregung. Das muss ich wohl noch ein bisschen üben. Aber es sieht gar nicht schlecht aus, ein Damenzwilling!
Der Spieler neben dem „big blind“ entscheidet nun on er mitgeht und „callt“. Ja, wird gemacht. Und wenn alle Spieler dabei sind oder auch das Blatt geschmissen haben, sammelt der „dealer“ die Einsätze ein. Jetzt wird’s ja dann auch erst richtig spannend, neue Karten kommen ins Spiel. Aber zuerst muss die „burnercard“ zur Seite gelegt werden, also die oberste Karte vom Stapel. Jetzt ist auch sichergestellt, dass keiner diese Karte beim austeilen schon gesehen hat und nun einen Vorteil hat. Wichtig. Und jetzt der „Flop“, drei Karten werden aufdeckt. Karo 2, Kreuz 8, Karo 10, nichts was meine Situation verändern würde, aber bei den anderen sieht’s wohl auch nicht wirklich gut aus. Der erste „checkt“, wartet also ab und macht keinen Einsatz, der nächste ebenso. Nun bin ich dran und ich werd mal en bisschen angreifen und geh gleich mit 50 rein. Was sagen die Blicke? Keine wirkliche Reaktion, aber noch gehen dann doch alle mit! Die nächste Karte kommt ins Spiel, der „turn“. Dame Herz. Und spätestens jetzt ist die Sache wohl klar, mit einem „Drilling“ sollte ich das doch in der Tasche haben. Der erste steigt schon mal aus, ihm ist es wohl zu heiß geworden. Er hätte doch „checken“ sollen, aber wir Anfänger haben’s halt noch nicht so ganz raus. Der nächste geht mit 100 rein, blufft er oder hat er am Ende tatsächlich am Ende was auf der Hand? Es kann ja nur ne Straße bei ihm sein und dann wär ich raus. Trotzdem geh ich natürlich mit meinem Drilling mit. Der nächste ist auch raus. Jetzt sind wir nur noch zu zweit im Spiel und die letzte Karte, „river“, kommt ins Spiel. Kreuz 3, na jetzt kann ja tatsächlich nicht mehr viel passieren. Er geht auch nur noch mit 20, dem „big blind“ rein, er hat bestimmt nichts auf der Hand. Ich erhöhe gleich auf 50, ob er noch mal erhöht? Nein, er geht mit und will sehen! Ha, mein Damendrilling war einfach zu gut, aber so wirklich hoch ist mein Gewinn dadurch auch nicht geworden. Naja, die nächste Runde kommt. Und es kommen noch viele, bis irgendwann jemand feststellt, dass es schon nach drei ist. Es regnet immer noch.
Berlin ist eine Stadt der digitalen Bohème. Überall sieht man Menschen mit Laptops oder iPhones in den Straßencafés, und alle müssen irgendwie ins Internet. Man will twittern, den Facebook-Status aktualisieren, mit Freunden chatten, Geschäfts-E-Mails abfragen. Daraus entwickelte sich auch eine neue Form der Geschäftsausrichtung einiger Cafés und Restaurants: Wo früher auf den Tafeln mit frischen Waffeln, Frühstück bis abends oder den Cocktails des Tages geworben wurde, steht immer häufiger: “Kostenloses WLAN“.
Und das funktioniert. Jeder, der mal eine DSL-Störung gehabt hat, leichtsinnigerweise den DSL-Provider gewechselt hat oder einfach umgezogen ist, musste schon erleben, wie es ist, wenn man plötzlich ohne Zugang zum Internet dasteht. Als ich umgezogen bin, war es besonders schlimm. Wochenlang kein Internet, man kann nicht mal schnell bei der BVG schauen, wann die Tram kommt. Ich fühlte mich abgeschnitten von der Welt, einsam. So muss sich Robinson Crusoe gefühlt haben, bevor Freitag kam.
Doch glaubt man der Senatsverwaltung für Wirtschaft und Technologie, könnten solche Horrorszenarien bald der Vergangenheit angehören, denn man plant eifrig das Internet über Funk in ganz Berlin. Vernetzung für alle! Und noch dazu kostenlos. Es wurden sogar schon Proben durchgeführt. Zuerst wurde geschaut, ob das neue Netz Ampelanlagen beeinflusst(?). Naja, tat es wie vermutet nicht. Ich hoffe, dass jetzt nicht noch geschaut wird, ob das Funknetz die Kanalisation stören könnte…
Ganz andere Probleme könnte es aber in rechtlicher Hinsicht geben. Öffentliches Netz, in das jeder darf, davon träumt doch jeder Hacker und notorischer File-Downloader. Hier wird geplant, ein persönliches Login festzulegen, damit verfolgt werden kann, wer wann auf das Netz zugegriffen hat. Eine endgültige Lösung kann dies allein aber auch nicht sein, denn wenn der Nutzer trotz Login nicht ermittelt werden kann, trägt der Provider die Haftung. Und das kann bei einmal Harry Potter Teil 6 laden ganz schnell in die Millionen gehen.
Aber die Stadtverwaltung will diese Fragen lösen, denn sie will das öffentliche WLAN. Berlin sei ein Ort, wo Junge und Kreative lebten und solche Angebote könnten Anreize sein, junge Unternehmen nach Berlin zu holen.
Für die Cafés mit kostenlosem WLAN wäre es aber erstmal schädlich, denn das WLAN hat man dann nicht nur im Café beim Kaffee, sondern auch nebenan im Park, ganz umsonst.
Ich denke, wenn Berlin das schafft, ein echtes offenes und kostenloses WLAN anzubieten, ist man einen Schritt weiter auf dem weg zur modernen Weltstadt.
Tja, es ist definitiv die Zeit der Konzerte derzeit hier in der Hauptstadt. Und sie folgen Schlag auf Schlag. Gerade war die Woche das große Konzert von Depeche Mode, nachdem sich Leadsänger Dave Gahan wieder vom Blasenkrebs erholt, bzw. dieser ihm rausoperiert wurde.
Etwas motzig waren die Fans aus anderen Städten, wo Depeche Mode die Konzerte deswegen abgesagt haben. Aber was so ein echter Fan von Depeche Mode ist, der färbt sich auch heute noch die Haare blond, trägt dunkle Kleidung, erfreut sich an der Stille und vergibt. Vor allem Dave Gahan, der seine Drogensucht, Heroin, wenn ich mich recht erinnere, nicht geheim hält und versucht, damit zu leben. Da könnte ja auch jedes Konzert das letzte sein.
Gehört hat man das Konzert übrigens nicht nur im Olympiastadion, wo es stattfand, am Abend konnte ich an den Facebook-Status meiner Freunde in Charlottenburg und Westend deutlich verfolgen, welches Lied gerade gespielt wurde.
Aber das ist ja jetzt vorbei und heute Abend gibt sich ein ganz besonderer Typ die Ehre und beschallt die Columbiahalle, während ich hier sitze und über etwas schreibe, wo ich leider gerade nicht sein kann. Dafür ist eine sehr gute Freundin eigens aus Karlsruhe angereist, um ihn heute Abend zu sehen: Steven Patrick Morrissey.
Kennst du nicht? Macht nix, ich kenn ihn auch nicht sonderlich gut, aber gerade wurde er von einer britischen Musikzeitschrift zum einflussreichsten Musiker gewählt. Vor Elvis Presley oder John Lennon. Es ist ein Mysterium, aber er ist allgegenwärtig. Genauso wie heute in der Stadt auffallend viele Männer mit Tolle und Frauen mit schwarzen Klamotten mit weißen Punkten drauf rumlaufen, ein Zeichen für seine Anwesenheit.
Ich freue mich, wenn meine Freundin heute zum Nächtigen heimkehrt und mir mehr von ihm erzählt, ich glaube, dass er es wert ist, etwas mehr über ihn zu erfahren.














