Toll, was heutzutage alles gibt. Früher mussten die Kinder noch Leichtathletik machen oder im Sportverein Völkerball spielen, heute gibt es ja Wellness und die Werbung oder wahlweise gute Bekannte machen uns weis, dass mit dieser neuen Bewegungsform sofort eine gute Figur bekommt und das richtig was bringt.
Unsereins, also eigentlich ich, strampel mich seit Jahren im Fitnessstudio und auf dem Fahrrad und beim Joggen ab, allerdings sehen die guten Bekannten oder die Typen in der Werbung immer noch ne ganze Spur besser aus. Und mit dem neuen Programm fühlt man sich wie neugeboren. Und kann Spagat und was weiß ich.
Also kriegt man quasi schon ein schlechtes Gewissen aufgedrückt, wenn man nicht auf den Zug der neuen Trendsportart aufspringt. So ging es mir mit Pilates. Und Barbara Becker macht ja auch Pilates. Und die sieht mal straff aus. Also muss das ja was bringen. Nur in meinem Fitnessstudio will ich das gar nicht machen, da gehen immer nur komische Mädchen mit Pferdeschwänzen in den Pilates-Saal. Außerdem ist der komplett verglast und die ganzen Pumper stehen draußen und die Bewegungen sehen ja echt mal besch… aus.
Also hab ich es bislang einfach sein lassen und habe selbst die Pilates-Leute von draußen in ihrem Glaskasten belächelt.
Bis heute. Denn ich arbeite ja in einem modernen Internet-Unternehmen und die machen alles, damit sich die Mitarbeiter wohl fühlen. Zum Beispiel bieten sie im firmeneigenen Fitnessraum Kurse an. So wie Pilates. Und da sind keine Pumper, die glotzen und man kann das ja mal probieren.
Gesagt, getan, heute rein. Außer mir noch ein paar höchst übergewichtige Entwickler, die bislang als einzige Sportart “Wii” gemacht haben, eine Praktikantin und noch ein paar Menschen, die ich noch nie gesehen habe.
Dann kam also die Pilates-Madame. Im schnuckeligen Schlafanzug mit warmen Wollsöckchen begrüßte sie uns. Ich habe natürlich vorher schon getönt “Boah, voll anstrengend, das geht sicher ab” und den Dicken und Unfitten richtig Angst gemacht. Und die Pilates-Madame war auch sehr dünn und straff, jedenfalls hing das Schlafanzüglein an ihren knochigen Beinen wie die Flagge auf dem Berliner Rathaus bei Flaute.
Puh, aber die kann sicher was. Wir legen uns auf den Rücken, strecken die Arme hoch und atmen. Madame sagt immer. “Laaaaaangsam.” Langsam? Schon am Anfang? Ein Bein hoch, wieder runter. “Laaaaaangsam.” Das andere Bein hoch, runter. So ging es weiter. Eine Stunde lang. Laaaaaangweilig. Es war so anstrengend wie mit meiner Oma im Rollator spazieren gehen. Selbst die dicken Entwickler schliefen fast ein.
Hätte mein Nebenmann nicht einmal beim “Und jetzt laaaaaangsam beide Beine hochnehmen” deftigst einen fahren lassen, wäre ich eingeschlafen. So hatte meine erste und letzte Pilates-Stunde aber einen – sagen wir mal aromatischen – Höhepunkt.
Mein Tipp: Finger weg von allen Sportarten, die Ex-Frauen von Ex-Sportlern betreiben. Das kann nix sein. Gefährlich wird es, wenn man vor Langeweile fast stirbt, nicht immer ist ein netter Kollege mit Blähungen da, um einen zu retten.












